Wer kann sich nicht an seinen ersten, eigenen Kühlschrank erinnern? Wer hat noch nie etwas im Kühlschrank vergessen und dieses erleichtert oder schockiert nach Stunden oder Tagen wiedergefunden? Wer ist noch nicht verwundert gewesen über die Art, wie andere Menschen mit Ihrem Kühlschrank umgehen?
Menschen, die intensiv mit ihrem Kühlschrank leben, die ihn mit Sehnsucht öffnen, wenn sie von etwas träumen, und dann gleich wieder schließen, wenn keine Schokolade oder kein Joghurt darin ist, sind herzlich eingeladen, hier weiterzulesen oder ihre eigenen Erfahrungen, Gedanken oder Storys und Fotos zu schicken.
Mein erster eigener Kühlschrank war ein "Mini Cool" von Electrolux. In braun, mit einer glänzenden Kunststoffplatte an der Tür. Ich kaufte ihn gemeinsam mit meinem Vater im Jahr 1990, nachdem ich mein Abi hatte und aus der tiefsten Provinz nach Duisburg ziehen wollte, um dort meinen Zivildienst zu leisten. In Duisburg bezog ich ein ca. 12 Quadratmeter kleines Zimmer in einem Personalwohnheim des Bethesda-Krankenhauses, im 6. Stock, mit einer genialen Aussicht nach Westen in Richtung Rheinhausen. Weil mein Kühlschrank in meinem Zimmer stehen sollte, wählten wir einen geräuschlosen mit Absorber-Technik.
Für mich war dieses Gerät ein Traum, es war schön, kühlte meine Getränke und mein Essen. Und so versuchte ich auch, es sauber und ansehnlich zu halten. Eines Tages wollte ich einige Fingerabdrücke auf der spiegelden Türfläche entfernen, nahm einen Lappen, machte ihn feucht, nahm etwas Spülmittel und wischte die Tür gründlich ab. Doch als ich den Kunststoff abgetrocknet hatte - oh Schreck - was hatte ich getan: lauter feine, aber unübersehbare Kratzer auf der glänzenden Oberfläche! Wie konnte das geschehen? Ich hatte doch nur Spülmittel genommen! Da besah ich mir den Lappen genauer. Und das war der Grund: Es waren noch Reste von einem anderen Scheuermittel vom Reinigen des Waschbeckens am Lappen hängen geblieben. Niedergeschlagen warf ich mich auf mein Bett. Fast hätte ich weinen können. Was sollte ich tun?
Nach einigen Tagen hatte ich eine Idee: Ich klebte erst einen, dann mehrere Aufkleber auf die Tür. Das nahm dem Kühlschrank zwar viel von seiner Eleganz, aber er bekam wenigstes eine gewisse persönliche Note.
Der erste Aufkleber war grün und warb mit einer Sonnenblume für eine bekannte, ökologisch und pazifistisch orientierte Partei. Mein Kühlschrank hatte damit einen neuen Blickfang, stellte aber auch einen gewissen Widerspruch dar: Er warb für Ökologie, war aber als Absorber nicht besonders energiesparend, und erst die Ozon-Schicht...
Nach einer sehr intensiven, aber nicht sehr langen Zeit in Duisburg zogen mein Mini-Cool und ich nach Kassel, in eine WG im Studentenwohheim. Da es dort schon einen eingebauten Gemeinschaftskühlschrank gab, wurde der Kleine der heißgeliebte WG - Getränkekühlschrank. Er bekam, da ich inzwischen TAZ-Abonnent war, noch einen "die tageszeitung"-Aufkleber.
Nach der Zeit im Studentenwohnheim war der Mini-Cool wieder Hauptkühlschrank, ergänzt um einen 4-Sterne-Gefrierschrank von Privileg. Aber mit der Zeit wurde auch das zu klein.
Wir zogen um, und übernahmen einen fast neuen Kühlschrank unseres neuen Vermieters. Mein Mini Cool zog zu meinem Schwager und die Aufkleber verschwanden von seiner Tür.
Und heute? Da steht er bei uns im Keller, zur Zeit nicht angeschlossen. Vielleich verkaufe ich ihn mal. Oder jemand leiht ihn sich aus. Mal sehen.
J.
In einem kleinen Ort, nicht weit von hier, in Südwestbrasilien im Jahr 1969 passierte Folgendes:
Nur die wohlhabenden Familien besaßen damals einen Kühlschrank. Die Kühlschränke waren sehr groß, gefüllt mit leckeren Sachen.
Ich besuchte die 2. Klasse in der Grundschule. Wir haben von unserer Lehrerin die Aufgabe bekommen, zum Muttertag einen schönen Satz für unsere Mutter zu schreiben.
Es gab Sätze wie "Mütter sind wie Sterne, die im Dunklen immer leuchten". Für diesem Satz hat meine Nachbarin eine 1 bekommen. Ich schrieb: "Mütter sind wie Blumen, die die Welt schmücken".
Von einer anderen Schülerin kam aber folgender Satz: "Meine Mutter ist wie ein Kühlschrank: Es gibt sie nur einmal zu Hause, und sie ist immer gefüllt mit schönen Sachen."
Die Lehrerin war sehr verärgert und wütend
und hat das Mädchen geschimpft, aber wir Kinder haben
verstanden, was sie ausdrücken wollte. Für uns war
klar, die Mutter und der Kühlschrank haben etwas gemeinsam,
was für uns Kinder wichtig war, und wir waren entsetzt, dass
die Lehrerin das nicht verstanden hat. In der Pause haben wir dann das
Mädchen getröstet, weil wir nicht begreifen konnten,
was die Lehrerin gegen diesen schönen Satz hatte.
N.
Markus, Julia, Tim und Lisa oder war es doch Nadine...
die gekühlten Lieblingsspeisen dieser Leute lagern bei mir drin.
Manchmal schon recht angeschimmelt oder vollgestopft bis obenhin,
in den Semesterferien ist es dann nicht ganz so schlimm.
Am Semesterende oder auch mal zwischendurch, steigt 'ne Riesenfete, dann wird kräftig aufgefüllt -
Bier und Wein und Gin & Tonic, bis es aus mir überquillt.
Fühl mich manchmal, was Hygiene, Sauberkeit & Glanz betrifft, schon ein bisschen schlecht be... handelt,
dafür aber super Karten, coole Sprüche rangebandelt.
Meinen Job zu übernehmen, fiel so manchem ganz schön schwer,
Nachtschicht, viel, viel Energie, doch ich lieb ihn trotzdem sehr.
(Kühlschrank von S. S.)